Liebe Lügen trügen: Roman E-Book von Annina Boger

Annina Boger Romance Liebesromane Band 2 E-Book
Liebesroman E-Book z.B. auf Amazon probelesen & kaufen!

Annina Boger auf Google +

Annina Boger ESCRITORA
(información y libros en español)

Annina Boger ECRIVAINE
(Informations et livres en Français)

Annina Boger WRITER
(information and books in English)

 

Annina Boger AUTORIN
(Informationen, Bücher, E-Books)

 

 


Die Welt der Reichen und der Armen in der kalifornischen Küstenstadt San Diego: Eine spannende Komödie der romantischen Verwicklungen aus und für die Liebe, wo (fast) nichts so ist, wie es scheint.

Berenice Beauregard, ehemaliges Pariser Mannequin, betreibt eine eigene Modelagentur in San Diego. Als sie zum ersten Mal Justin, dem attraktiven neuen Befüller ihrer Getränkeautomaten gegenübersteht, gibt sie sich spontan als ihre Putzfee Lizzy aus. Denn Lizzy ist soeben krankheitsbedingt ausgefallen.
Von da an treffen Berenice und Justin sich jeden Abend in der Agentur, um ihren Job auszuführen. Zwischen den beiden knistert es heftig. Doch wer ist Justin wirklich?

Anzahl Wörter: ca. 59‘800

 

Leseprobe hier

Bei Amazon || Bei Weltbild || Bei Neobooks || Bei Ciando || Bei Thalia

 

Leseprobe downloaden, online probelesen oder gleich in eurem Lieblings-Shop das E-Book kaufen und sofort weiterlesen.

Preisaktionen beachten!

Liebe Lügen trügen: Leseprobe Online

Prolog

An ihrem ersten freien Tag in San Diego bummelte Berenice Beauregard durch die luxuriöse Shoppingmeile, wo sie einige aufsehenerregende Accessoires erstand. Sie war erst vor einer Woche von Paris hierher gezogen, einen Modelvertrag mit einer angesehenen Kosmetikfirma in der Tasche.

Mit einem Ausruf des Entzückens blieb Berenice vor dem Schaufenster einer Modeboutique stehen. Ein atemberaubendes Abendkleid hing darin, das sie sich, trotz ihres ansehnlichen Honorars, beim besten Willen nicht auch noch leisten konnte: Ein Traum aus gerafftem und gewickeltem Seidenchiffon in fließenden Grüntönen, mit einem verführerischen, schulterfreien Dekolletee.

Sie schaute auf das Schild mit der Prägung Chez Monique über der Eingangstür.

Hätte ich doch die teure Handtasche mit den passenden Ziegenlederschuhen nicht gekauft. Aber einmal hineinschlüpfen will ich zumindest.

Entschlossen trat sie ein und bat die elegant gekleidete Dame mit dem weißblonden Pagenschnitt, die ihr entgegenkam, ob sie das Kleid im Schaufenster ganz rechts anprobieren dürfe.

Mit einem diskreten Kennerblick umfasste Monique Curtain ihre neue Kundin: Etwas über zwanzig Jahre alt, vermutete sie. Schlicht und in unauffälligen Farben, doch exquisit gekleidet, trug die junge Dame Hut und Handschuhe, an den Handgelenken baumelten Einkaufstüten von auserlesenen Designermarken.

Die Frau hatte perfekte Masse! Das kupferrote, lockige Haar hatte sie zu einer raffinierten, asymmetrischen Frisur hochgesteckt. Ihre meergrünen Augen waren meisterhaft geschminkt, was ihnen einen geheimnisvollen Schimmer verlieh.

Mit einer knappen Handbewegung bedeutete Monique ihren Kundenberaterinnen, sie möchten sich entfernen, sie wolle diese Dame selbst bedienen. Eine Auszeichnung, die Berenice erst später bewusst wurde. Dann deutete sie auf eine kleine Sitzgruppe in der Ecke.

„Das Grünseidene? Gerne! Ich bin Monique. Nehmen Sie doch solange hier Platz, damit Sie Ihr Gepäck ablegen können.“

„Bitte, nennen Sie mich Berenice“, sagte diese leise.

Angenehm berührt von der Freundlichkeit der Dame, deren Vorname sie als Besitzerin der Boutique auswies, setzte sie sich auf das kleine Sofa. Sie bestellte einen Orangensaft bei der jungen Frau, die mit einem Servierwagen auf sie zukam.

Gleich darauf erschien Monique mit einem fahrbaren Kleiderständer, an dem Berenices Traumrobe hing.

Calinda Caë, die junge Modeschöpferin, hat ihm die Bezeichnung Mermaid’s Summerdream gegeben. Rufen Sie mich, wenn Sie so weit sind, ich helfe Ihnen in das Kleid.“

Berenice saß einen Moment da und versank im Anblick des Modellkleides.

Sommertraum einer Meerjungfrau. Wie passend!

Durch die verschiedenen Lagen des hauchdünnen Seidenstoffes, jede in einem anderen Grünton eingefärbt, ergab sich im sanften Luftzug der Klimaanlage ein faszinierendes Farbenspiel, ähnlich wie bei einer Meeresströmung.

Sie winkte Monique herbei, die sie in eine geräumige Umkleidekabine führte und den Vorhang zuzog, bis Berenice leise rief.

„Ich bin soweit!“

Vorsichtig half Monique ihr in das Kleid hinein. Sie atmete auf und nickte, als hätte die junge Frau ihre Vermutung bestätigt.

„Kommen Sie Berenice, hier können Sie sich von allen Seiten betrachten.“ Monique führte sie in einen Nebenraum, in welchem mehrere raffiniert angeordnete Spiegel einen Rundumblick boten.

Im seit Jahren erprobten Katzenschritt setzte Berenice einen Fuß vor den anderen, überwältigt von der Wirkung dieses Kleides, das beim Gehen seine ausgeklügelte Schnittführung entfaltete.

Sie hatte natürlich schon viele wunderbare, raffiniert geschnittene Gewänder einiger bekannter Designer gesehen und vorgeführt. Doch dieses hier hatte eine ganz eigene Klasse.

„Es ist wie für Sie entworfen, Berenice!“, sprach Monique das aus, was in der jungen Frau vorging. „Als ob Sie selbst dafür Modell gestanden hätten. Ihre grünen Augen kommen wunderbar zur Geltung, und ihre kupferroten Locken heben sich wie bei einer echten Meerjungfrau davon ab!“

„Ja, aber ich kann es mir nicht leisten, es tut mir Leid!“, flüsterte Berenice beschämt. Sie eilte zur Kabine zurück.

Monique half ihr beim Ausziehen und hängte den Meerjungfrauentraum an den Ständer zurück, wo er im Schaum ihrer unerfüllten Sehnsüchte unterzugehen drohte. In ihrem Designerkostüm kam sie wieder heraus, setzte sich und griff mit einem betrübten Gesichtsausdruck zum Glas.

Monique näherte sich ihr.

„Darf ich mich einen Moment zu Ihnen setzen?“

Überrascht hob Berenice die Brauen. „Bitte!“

„Ich würde Ihnen gerne einen Vorschlag machen, wenn ich darf.“

Berenice machte eine auffordernde Handbewegung und sah sie abwartend an.

„Sie haben Modelerfahrung, nicht wahr? Sie sind mir gleich zu Beginn bekannt vorgekommen, aber sie hätten auch ein ähnlicher Typ sein können. Ihr Stil ist jedoch unverwechselbar. Kann es sein, dass ich Sie in Paris gesehen habe?“

„Ja, ich war einige Jahre als Model auf dem Laufsteg. Diese Tätigkeit liegt mir nicht mehr, weshalb ich das Angebot einer Kosmetikfirma angenommen habe, hier in San Diego für ihr Gesicht des Jahres als Fotomodell zu arbeiten.“ Sie beugte sich vor und vertraute Monique an:

„Ich könnte den Betrag für das Kleid schon aufbringen, aber ich spare, um später eine eigene Modelagentur zu gründen. Außerdem weiß man in unserem Beruf nie, wie lange man noch gefragt ist.“ Mit einem bezeichnenden Blick auf ihre Tüten fuhr sie fort: „Wenn ich heute nicht schon leichtsinnig gewesen wäre, würde ich mir den Sommertraum trotzdem leisten.“

Wider willen musste Monique lächeln.

„Sie kennen den Preis des Kleides doch noch gar nicht“, erinnerte sie.

„Stimmt, aber in meinem Beruf kann man den Wert einer solchen Robe ziemlich gut einschätzen.“

Monique machte ein pfiffiges Gesicht, als sie ihr daraufhin den Kaufpreis nannte.

„Das ist nur etwa ein Zehntel des üblichen Wertes“, entfuhr es Berenice. „Wo liegt der Haken?“

„Es gibt keinen Haken. Calinda Caë ist eine sehr talentierte Newcomerin, weshalb ich einige ihrer Kreationen in mein Sortiment aufgenommen habe.“

„Wenn das so ist, möchte ich das Kleid nun doch erwerben“, beschloss Berenice und nahm sich im Stillen vor, dafür in Zukunft etwas mehr zu sparen.

„Das freut mich, Berenice. Ich mache Ihnen ein zusätzliches Angebot: Sie tragen das Kleid und nennen unseren Salon als Lieferantin sowie den Namen der Designerin. Da dies für uns eine willkommene Werbequelle darstellt, biete ich Ihnen eine Ermäßigung von 20 Prozent an. Einverstanden?“

Nach kurzem Zögern willigte Berenice ein. So günstig würde sie sich wohl selten wieder einen exklusiven Traum erfüllen können.

 

Kapitel 1

Ihr Weinglas umklammernd, stand Berenice Beauregard vor dem Panoramafenster ihrer Penthouse-Wohnung. Sie starrte auf die nächtliche Skyline der kalifornischen Stadt San Diego, ohne sie wahrzunehmen.

Grelle Blitze zuckten über die Wolkenkratzer hinweg, deren Reklameschilder bunte Lichterstreifen auf dem Meer spiegelten. Der Frühlingssturm warf hohe Wellen an die Küste, doch Berenice achtete nicht darauf.

Sie konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten, obwohl sie ihr sorgfältiges Make-up zu verschmieren drohten. Sie wandte sich Monique zu, die auf der weißen Ledercouch saß und sie besorgt anblickte.

„Warum passiert das immer mir?“, fragte Berenice mit sich überschlagender Stimme, die grünen Augen anklagend zum Himmel erhoben, als ob der Missetäter dort oben säße.

Monique Curtain seufzte mitfühlend, stellte ihr Glas auf den Salontisch zurück und legte einen Arm um ihre langjährige Freundin. Da sie selbst keine Kinder hatte, war Berenice in den vergangenen zehn Jahren für sie so etwas wie eine Tochter geworden. Mit dem Zeigefinger strich sie ihr sanft über die feuchte Wange.

„Das liegt wahrscheinlich daran, dass du dir immer die falschen Männer aussuchst, Liebes“, entgegnete sie.

Berenice schniefte. Sie wischte mit dem Handrücken die Tränen fort, bevor sie ihre langen, kupferroten Locken zurückwarf.

„Was mache ich denn falsch?“

„Du hast nichts falsch gemacht! Miguel ist ein Filou, der es nur auf dein Geld abgesehen hat, sonst hätte er sich nicht in eurem Urlaub mit dem Zimmermädchen vergnügt.“

„Ich müsste es langsam wissen, dass die Männer mehr an meinem Status interessiert sind als an mir. Es ist jetzt schon das dritte Mal. Da hast du mit Percy das bessere Los gezogen!“

Monique winkte ab.

„Das kannst du nicht vergleichen. Percy und ich haben in den vergangenen fünfundzwanzig Jahren Seite an Seite die Modeboutique aufgebaut und uns ein ansehnliches Kapitalpolster erwirtschaftet. Das schweißt zusammen!“

„Dann ist es für mich wohl zu spät! Ich hätte mich der Partnersuche widmen sollen, bevor ich meine Modelagentur gegründet habe.“

Die graublauen Augen ihrer älteren Freundin funkelten sie an.

„Rede doch keinen Unsinn! Es ist nie zu spät! Eines Tages wirst du den Richtigen finden.“

„Ich bin schon 34. Mir bleibt nicht mehr viel Zeit.“

„Darling! Du kommst über diesen Miguel hinweg! Jetzt bist du noch verletzt und verunsichert, weil er dich betrogen hat, das ist nur natürlich. Aber eine so attraktive Frau wie du lernt schnell wieder jemanden kennen.“

„Meinst du?“ Berenice straffte sich. „Vielleicht sollte ich es machen wie meine Assistentin Elaine. Sie ist seit sechs Jahren geschieden und hat die Nase voll von Männern.“

„Lass es doch einfach auf dich zukommen. Wenn die Zeit reif dafür ist, wird sich etwas ergeben.“

Berenices Miene hellte sich auf.

„Danke Monique, dass du immer für mich da bist und nun auch noch mein Gejammer erträgst.“ Sie drückte ihr einen Kuss auf die Wangen.

„Dafür sind Freundinnen doch da, Liebes.“ Aufmunternd lächelte Monique ihr zu und zog einen Hochglanzkatalog aus ihrer Tasche. „Und nun zeige ich dir unsere neuesten Kreationen. Du wirst staunen!“

 

* * *

 

Etwa zur selben Zeit saßen sich in einem angesagten Club in San Diego zwei elegant gekleidete Männer gegenüber. Die klagenden Laute eines Blues wehten von der Tribüne zu ihrem Tisch in der hinteren Ecke. Die Herren hörten einen Augenblick dem virtuosen Solospiel des Saxophonisten zu, bevor sie ihre angeregte Diskussion weiterführten.

Nick White beugte sich vor und hob die Arme.

„Du willst es einfach nicht einsehen, Justin!“

Dieser funkelte den Freund aus dunkelbraunen Augen an. Eine steile Falte bildete sich zwischen seinen Brauen.

„Das sagst ausgerechnet du, Nick!“

„Ich stehe aber dazu und möchte gar nicht heiraten.“

„Wie auch? Du hast ja jede Woche eine andere Partnerin.“

Nicks Jägerblick schweifte durch den Raum.

„Warum nicht? Ich kann es mir leisten und liebe dieses Leben“, grinste er.

Verständnislos schüttelte Justin Hurlington den Kopf.

„Diese Frauen haben es doch nur auf den Luxus abgesehen, den du ihnen bietest, und lieben dich nicht wirklich.“

„Ach … Denkst du, ich hätte das Betteln deiner heißgeliebten Amy übersehen?“ Nick kniff seine blauen Augen zusammen.

Justins Miene verdüsterte sich.

„Sie hat nicht gebettelt, sondern gefragt, ob ich ihr das Outfit kaufe.“

„Ist das nicht dasselbe?“, erwiderte Nick. „Ich erkenne diese geldgierigen Frauen auf den ersten Blick. Glaube mir, Amy ist nicht besser!“

„Nein, nicht Amy. Sie hat mir mehrmals gesagt, wie attraktiv sie mich findet. Außerdem liebt sie mich und ich liebe sie! Da ist es nur natürlich, dass ich sie unterstütze.“

Nick lachte amüsiert auf.

„Sie findet in erster Linie Hurlington’s Best, deine Supermarktkette, attraktiv, das weißt du genau! Sei doch ehrlich zu dir selbst.“

Justin schüttelte den Kopf.

„Amy ist keine dieser billigen Frauen. Wir sind jetzt drei Wochen zusammen und hatten nicht einmal Sex.“

Nick lehnte sich im Clubsessel zurück und schlug die Beine übereinander.

„Bei diesen Frauen musst du deine Bezahlung anfordern. Die werden nicht von selbst mit dir in die Kiste steigen! Schon gar nicht, wenn sie, so wie Amy, sechzehn Jahre jünger sind als du.“

Justin stand auf und warf einen Geldschein auf den Tisch.

„Ich muss jetzt gehen. Sicher wartet sie schon mit dem Abendessen auf mich!“

Mit ausholenden Schritten stapfte Justin durch den Clubraum auf den Ausgang zu.

So ein Unsinn! Nick ist der schnelle Erfolg mit seiner Informatik-Firma wohl zu Kopf gestiegen. Sein häufiger Partnerwechsel hat den Rest dazu beigetragen. Der kann sich doch eine Beziehung, die auf echten Gefühlen aufbaut, gar nicht vorstellen.

Er schlenderte noch eine Weile durch die regenfeuchten Straßen. Das heftige Gewitter, das vor einer Stunde über die Stadt gebraust war, hatte die Luft dieser Aprilnacht gereinigt. Justin versuchte, Nicks absurde Vorwürfe gegen Amy aus dem Gedächtnis zu streichen.

Wenig später erreichte er das beleuchtete Tor zu seiner herrschaftlichen Villa, die sich über drei Etagen erstreckte. Er fuhr die Parkallee entlang und stellte den Wagen vor der Eingangstreppe ab. Ungeduldig klingelte er. Er musste jetzt gleich Amy sehen, um sich zu vergewissern, dass alles in Ordnung war.

Sophie, seine langjährige Haushälterin, öffnete ihm. Die kleine mollige Frau gehörte praktisch zur Familie, seit seine Eltern nach Florida übergesiedelt waren.

„Guten Abend, Justin“, begrüßte sie ihn und nahm ihm das Jackett ab. In geringschätzigem Ton fügte sie hinzu: „Amy wartet im Esszimmer auf dich.“

Dass Sophie Amy nicht schätzte, wusste er, seit die junge Frau vor drei Wochen bei ihm eingezogen war. Unwillkürlich musste Justin an Nicks Worte denken.

Er horchte einen Moment, ob er Amys leichten Schritt vernahm. Ein Schatten huschte über sein Gesicht, als sie ihm nicht entgegenkam, um ihn zu begrüßen. Er betrat den großzügigen Speiseraum, wo sie am oberen Ende des Tisches aus geschwungenem Nussbaumholz saß und ihm zuzwinkerte.

„Guten Abend mein Schatz. Wie war dein Tag?“, fragte sie.

Justin erwiderte ihr Lächeln.

„Guten Abend, mein Liebling. Nun, ich hatte ...“

Amy streckte ihre Hände aus und spreizte die Finger.

„Schau mal meine neuen Fingernägel, die habe ich mir heute machen lassen. Sind sie nicht schön?“ Ihre stark geschminkten, kornblumenblauen Augen glänzten vor Freude.

Justin runzelte die Stirn.

„Hast du nicht erst gestern deine Nägel ...?“

„Ach, die haben mir nicht gefallen.“ Sie wedelte mit den Fingern vor seinem Gesicht herum. „Schau, da sind funkelnde Steine eingearbeitet!“

Nachdenklich betrachtete Justin seine Freundin.

Amys kurzer Rock war bis zu den Schenkeln hochgerutscht, und auch das durchsichtige Glitzertop gab mehr von ihren Reizen preis, als es verbarg.

Die junge Frau riss ihn aus seinen Gedanken:

„Du hast ja gar nicht gesehen, dass Amy beim Friseur war!“, rief sie und zog eine niedliche Schnute. Sie drehte sich vor ihm im Kreis: „Bin ich nicht todschick?“

Justin stellten sich die Nackenhaare auf.

Mein Gott! Nick hatte Recht! Wie konnte ich nur so blind sein? Sie ist ja noch ein halbes Kind mit ihren einundzwanzig Jahren. Es fehlt ihr an Reife und Einsicht. Und sie ist vor allem auf ein luxuriöses Leben aus. Was habe ich mir dabei gedacht?

Nachdem Sophie das Essen aufgetragen und sich wieder entfernt hatte, setzte Amy sich auf Justins Schoss und wollte ihn füttern.

Er schob sie sanft von sich.

„Bitte Amy, setz dich auf deinen Platz, und lass uns den delikaten Lachs genießen, den Sophie zubereitet hat“, bat er.

Sie verzog den üppig geschminkten Mund und ließ sich auf den gepolsterten Stuhl fallen.

„Och, bist du aber langweilig heute! Zum Glück gehen wir nachher noch aus.“

Also deshalb war Amy so auffällig zurechtgemacht.

„Nun, ich bin etwas müde. Wo möchtest du denn hin?“

Sie sah ihn groß an. Wie konnte er das vergessen?

„Na, heute eröffnet doch die angesagteste Disco der Stadt, mit drei Live-Bands, Varieté-Shows mit Zauberkünstlern, und den allerneuesten ...“, zwitscherte sie aufgeregt.

„Sei mir nicht böse, Amy“, unterbrach er sie. „Heute möchte ich lieber nicht ausgehen. Ich habe morgen früh ein Meeting mit meinen ...“

Amys Augen loderten auf. Sie presste die Lippen zusammen und holte tief Luft, wobei ihr Busen sich gefährlich weit aus dem knapp sitzenden Oberteil hob. Ihr puppenähnliches Gesicht ähnelte einer Fratze.

„Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder? Du willst doch nicht wie ein klappriger Greis zuhause hocken, während sich die High Society von San Diego in der neuen Super-Disco trifft?“, kreischte sie auf und stieß ihren Stuhl so heftig zurück, dass er krachend zu Boden fiel.

Justin war froh, dass Sophie sich zurückgezogen hatte. Es wäre ihm peinlich gewesen, wenn sie diese hässliche Szene mitbekommen hätte.

An seinem ungewohnt nachdenklichen Gesichtsausdruck erkannte Amy, dass sie zu weit gegangen war. Blitzschnell stellte sie den Stuhl wieder auf, flog in seine Arme und lächelte ihn um Verzeihung bittend an.

„Och Schatzi, nicht böse sein, ich war nur so überrascht, dass du unsere Abmachung vergessen hast“, schmeichelte sie, und wollte ihn küssen.

Seit sie bei ihm eingezogen war, hatte sie ihn nur liebkost, wenn sie etwas von ihm wollte, erkannte Justin auf einmal. Er sah seine junge Freundin so forschend an, als sei er bisher nicht nur blind sondern auch taub gewesen. Sanft schob er sie um Armeslänge von sich fort.

„Abmachung?“ Er schüttelte den Kopf. „Ich kann mich nur erinnern, dass du vor einigen Tagen gesagt hast, heute würde diese Disco aufgehen. Vereinbart haben wir nichts!“

„Ja aber, wenn du doch weißt, wie gerne ich an der Eröffnung dabei wäre, dann ist es doch selbstverständlich, dass wir dorthin gehen, oder?“, fragte sie ihn in einem so verwunderten Ton, dass er aufseufzte.

„Nein Amy!“, erklärte er ihr geduldig wie einem trotzigen Kind. „Für mich war das nur eine Information. Lass uns doch noch ein Glas Wein trinken und etwas fernsehen, ja?“

Amy kochte innerlich. Was fiel diesem Spießer ein, ihre Wünsche so zu missachten. Am liebsten wäre sie hinaufgejagt, um ihre Koffer zu packen, und alleine zur Party gegangen. Sie würde sofort Anschluss finden, das wusste sie aus Erfahrung. Doch sie hatte das großzügige Taschengeld, das Justin ihr gestern wieder gegeben hatte, bis auf ein paar Dollar aufgebracht. Zudem sagte ihr etwas in seinem Verhalten, dass sie es nicht zu weit treiben sollte. Sie warf Justin einen abschätzigen Blick zu. Was ging in ihm vor?

Unwillkürlich schauderte sie zusammen beim Gedanken an ihr winziges, unaufgeräumtes Zimmer in einer Absteige nahe dem Rotlichtmilieu.

Nein, erst musste sie einen neuen Beschützer finden, der ihre Vorzüge zu schätzen wusste, sie angemessen ausführte und verwöhnte. Sie presste die Lippen zusammen und atmete tief ein, um die riesige Enttäuschung hinunterzuschlucken, auch wenn sie am liebsten wie eine Furie getobt hätte.

Justin hob überrascht die Brauen, als sie ihm über den Arm strich und mit sanfter Stimme sagte:

„Nun gut, wenn du meinst. Vielleicht können wir ein anderes Mal ausgehen.“

Der Rest dieses Donnerstagabends verlief ähnlich wie die übrigen, seit Amy zu Justin gezogen war. Wenn sie nicht in „angesagten“ Bars, Clubs oder Discos unterwegs waren, tranken sie zusammen eine Flasche Wein, den Amy viel zu hastig hinunterleerte. Dazu schauten sie fern, bis Justin das laute Geplapper seiner Freundin und die oberflächlichen Unterhaltungssendungen auf die Nerven gingen.

Früher als sonst verabschiedete er sich, ging zu Bett, während Amy noch stundenlang weiterschaute. Sie brauchte am folgenden Morgen nicht aufzustehen.

In dieser Nacht konnte Justin lange nicht einschlafen. Zu viele Gedanken kreisten ihm durch den Kopf, und das Gefühl, wieder einmal hereingefallen zu sein, erfüllte sein Herz mit Bitterkeit.

Kaum hatte er Amy in der Bar kennengelernt und einige Male zum Essen eingeladen, waren sie auch schon ein Paar. Am vierten Abend, nachdem sie engumschlungen zusammen getanzt hatten, führte sie ihn in ihre momentane Bleibe und lehnte sich an seine Brust. Sie machte eine ausladende Handbewegung.

„Nicht wahr, das ist kein passendes Zuhause für dein Schatzi?“, fragte sie ihn mit einem herzerweichenden Lächeln, und küsste ihn so unschuldig süß, dass es ihm beinahe die Sinne raubte.

Justins Blick schweifte durch den länglichen Raum, an dessen Ende eine winzige Kochecke eingerichtet war. Er zog die Nasenflügel zusammen. Es roch nach verdorbenen Lebensmitteln, nach einem sehr süßen Parfüm und nach ... Tatsächlich, in den Ecken und entlang den Fugen hatte sich Schimmelpilz angesiedelt.

Er sah sofort ein, dass er Amy diesen unwürdigen Lebensstil nicht zumuten konnte. Wozu besaß er eine Villa mit zwölf Zimmern?

„Selbstverständlich nicht, Liebling!“ Er machte eine umfassende Handbewegung. „Am besten räumst du gleich alles, was du für die nächsten Tage brauchst, in eine Tasche und kommst mit zu mir nach Hause.

Amy warf sich so ungestüm in seine Arme, dass er den Halt verlor und mit ihr zusammen auf die zerrissene Couch fiel. Sie hauchte lauter kleine Schmatzer auf seine Wangen.

„Oh danke, Justin. Ich wusste doch, dass du ein gutes Herz hast“, murmelte sie ihm ins Ohr und knabberte daran, was ein Kribbeln in seinem Leib bewirkte.

(..)

Ende der Online-Leseprobe, jetzt z.B. hier oder in eurem Lieblings-Shop das E-Book kaufen und sofort weiterlesen:

Bei Amazon || Bei Weltbild || Bei Hugendubel || Bei Ciando || Bei Thalia

Copyright 2014-2016 Annina Boger & SchreibARTelier Gerber Germany

E-Book Leseproben

Laden Sie von allen E-Books Ihre Gratis-Leseprobe herunter (in den meisten Online-Buchshops erhältlich).

Tipp:

Preisaktionen beachten!

Annina Boger Hits 1

Annina-Boger-Romance-Liebesromane; E-Books; Taschenbuch
Annina Boger Romance: Tanzkavalier Gesucht
Annina Boger Romance Liebesroman E-Book Band 2
ERFOLGSROMAN Liebe Lügen trügen, mit Ferienfeeling

Annina Boger Kinderhits

Winterfee Chiarina E-Book-Reihe für Kinder; PDF-Kinderbuch
Winterfee Chiarina Erfolgstitel
Des Fischers Traum Kinder-eBook; PDF-Kinderbuch
"Des Fischers Traum" illustr. Kinder E-Book

Google+ Folger

Bücher z.B. hier kaufen



liebeluegentruegen.jimdo.com Blog Feed

Annina Boger Romance Liebesromane mit NEUEM COVER: Feelings pur! (Mo, 06 Jun 2016)
// // //
Für einige Stunden dem Alltag entfliehen? Das kannst du mit der "Annina Boger Romance" E-Book-Reihe, bestellbar in deinem Lieblings-Buchshop. Jetzt mit topaktuellem neuem Cover! Und mit dem Taschenbuch "Weihnachstskavalier Gesucht", das du z.B. auf Amazon und im Buchhandel bestellen kannst. Mehr Infos und eine Online Leseprobe findest du, wenn du auf die Bilder klickst. Zauberhafte Lesestunden wünscht dir mit sonnigen Frühlingsgrüßen Annina
>> mehr lesen